Feiertage in Deutschland - Geschichte und Bedeutung

Veröffentlicht am 5. Januar 2026 Lesezeit: 14 Minuten

Die deutschen Feiertage sind mehr als nur arbeitsfreie Tage - sie sind Fenster in unsere Geschichte, Kultur und gesellschaftlichen Werte. Von uralten christlichen Traditionen bis zu modernen Nationalfeiertagen erzählt jeder Feiertag eine Geschichte. In diesem Artikel nehmen wir Sie mit auf eine Reise durch die Geschichte der deutschen Feiertage und erklären, warum wir feiern, was wir feiern.

Die christlichen Wurzeln

Die Mehrheit der deutschen Feiertage hat christliche Wurzeln, was die historische Bedeutung des Christentums in Deutschland widerspiegelt. Diese Feiertage gehen oft auf Ereignisse aus dem Leben Jesu Christi zurück oder haben sich aus kirchlichen Traditionen entwickelt, die über Jahrhunderte gepflegt wurden.

Das Christentum verbreitete sich ab dem 4. Jahrhundert im germanischen Raum. Mit der Christianisierung wurden heidnische Feste umgedeutet oder durch christliche ersetzt. So liegt das Weihnachtsfest vermutlich nicht zufällig nahe der Wintersonnenwende, die schon in vorchristlicher Zeit gefeiert wurde. Diese Überlagerung machte die Akzeptanz der neuen Religion einfacher.

Weihnachten - Das Fest der Geburt

Weihnachten ist das Fest der Geburt Jesu Christi. Das Datum des 25. Dezember wurde im 4. Jahrhundert festgelegt und steht möglicherweise in Verbindung mit dem römischen Fest des "Sol Invictus" (unbesiegten Sonnengottes), das ebenfalls am 25. Dezember gefeiert wurde.

In Deutschland entwickelten sich im Laufe der Jahrhunderte zahlreiche Weihnachtstraditionen. Der Weihnachtsbaum, heute weltweit verbreitet, hat seinen Ursprung im deutschsprachigen Raum des 16. Jahrhunderts. Zunächst ein protestantischer Brauch, setzte er sich im 19. Jahrhundert auch in katholischen Regionen durch.

Der 26. Dezember als zweiter Weihnachtsfeiertag ist eine deutsche Besonderheit, die sich in vielen anderen Ländern nicht findet. Er ermöglicht es, das Fest ausgedehnter zu feiern und Zeit mit verschiedenen Familienzweigen zu verbringen. Alle Weihnachtstermine für 2026 finden Sie in unserem Kalender.

Ostern - Tod und Auferstehung

Ostern ist der wichtigste Feiertag im christlichen Kalender, wichtiger noch als Weihnachten. Er feiert die Auferstehung Jesu Christi von den Toten, das zentrale Ereignis des christlichen Glaubens. Das Osterfest hat seine Wurzeln im jüdischen Pessachfest, mit dem es zeitlich zusammenfällt.

Der Karfreitag erinnert an die Kreuzigung Christi. Der Name leitet sich vom althochdeutschen "kara" (Trauer, Klage) ab. Es ist ein Tag der Stille und Besinnung, an dem traditionell auf Fleisch verzichtet wird. Karfreitag ist als "stiller Feiertag" besonders geschützt; Tanzveranstaltungen und laute Musik sind an diesem Tag verboten.

Der Ostermontag verlängert das Osterfest und erinnert an den Gang der Jünger nach Emmaus, wo sie dem auferstandenen Christus begegneten. Mehr über Ostern 2026 erfahren Sie in unserem ausführlichen Artikel.

Die beweglichen Feiertage

Christi Himmelfahrt und Pfingsten sind sogenannte bewegliche Feiertage, deren Datum vom Osterdatum abhängt. Christi Himmelfahrt fällt immer auf den 40. Tag nach Ostern, also einen Donnerstag. Es erinnert an die Himmelfahrt Jesu, seine Rückkehr zu Gott Vater.

Pfingsten, 50 Tage nach Ostern, feiert die Ausgießung des Heiligen Geistes auf die Apostel. Der Name kommt vom griechischen "pentekoste" (der Fünfzigste). Pfingsten gilt als Geburtsstunde der christlichen Kirche, da die Apostel von diesem Tag an die Botschaft Jesu verbreiteten.

Fronleichnam, 60 Tage nach Ostern, ist ein katholischer Feiertag, der nur in überwiegend katholischen Bundesländern gesetzlicher Feiertag ist. Das Fest feiert die leibliche Gegenwart Christi in der Eucharistie und wird mit Prozessionen und geschmückten Altären begangen.

Der Tag der Arbeit

Der 1. Mai als Tag der Arbeit hat keine religiösen, sondern politische Wurzeln. Er geht auf die amerikanische Arbeiterbewegung des 19. Jahrhunderts zurück. Am 1. Mai 1886 streikten in Chicago Arbeiter für den Achtstundentag. Die Proteste eskalierten zum sogenannten "Haymarket Affair" mit Toten und Verletzten.

Die Zweite Internationale der sozialistischen Arbeiterbewegung erklärte 1889 den 1. Mai zum internationalen Kampftag der Arbeiterklasse. In Deutschland wurde er 1919 von der Weimarer Nationalversammlung zum gesetzlichen Feiertag erklärt. Die Nationalsozialisten übernahmen den Feiertag und benannten ihn in "Tag der nationalen Arbeit" um.

Heute ist der 1. Mai ein Tag der Gewerkschaftskundgebungen, aber auch der traditionellen Maifeste mit Maibäumen und Tanz in den Mai. Die politische Dimension hat für viele Menschen an Bedeutung verloren, die Maifeierlichkeiten werden dennoch vielerorts gepflegt.

Der Tag der Deutschen Einheit

Der 3. Oktober ist der jüngste unter den bundesweiten Feiertagen und zugleich der einzige, der durch ein Bundesgesetz (den Einigungsvertrag von 1990) festgelegt wurde. Er erinnert an die deutsche Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990, als die Deutsche Demokratische Republik der Bundesrepublik Deutschland beitrat.

Die Wahl des 3. Oktober als Nationalfeiertag war nicht unumstritten. Viele plädierten für den 9. November, den Tag des Mauerfalls 1989. Doch der 9. November ist in der deutschen Geschichte auch der Tag der Novemberpogrome 1938, weshalb man sich gegen dieses Datum entschied.

Anders als in vielen anderen Ländern wird der deutsche Nationalfeiertag eher zurückhaltend gefeiert. Es gibt keine großen Militärparaden, sondern offizielle Festakte und Bürgerfeste. Diese Zurückhaltung spiegelt die deutsche Zurückhaltung gegenüber Nationalismus wider, die aus der Geschichte erwachsen ist.

Regionale Feiertage und ihre Geschichte

Die regionalen Unterschiede bei den Feiertagen haben historische Gründe. Der Reformationstag am 31. Oktober erinnert an Martin Luthers Thesenanschlag 1517 und wird in protestantisch geprägten Bundesländern gefeiert. Allerheiligen am 1. November ehrt alle Heiligen und ist in katholischen Regionen ein Feiertag.

Heilige Drei Könige am 6. Januar feiert die Ankunft der Weisen aus dem Morgenland bei Jesus und gilt in Bayern, Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt. Der Buß- und Bettag, ein protestantischer Feiertag der Besinnung, ist heute nur noch in Sachsen gesetzlicher Feiertag - er wurde 1995 in den meisten Bundesländern zur Finanzierung der Pflegeversicherung abgeschafft.

Diese konfessionellen Unterschiede bei den Feiertagen sind ein Erbe der Reformation und des Augsburger Religionsfriedens von 1555, der das Prinzip "cuius regio, eius religio" (wessen Gebiet, dessen Religion) etablierte. Die Details zu allen Feiertagen 2026 nach Bundesländern finden Sie in unserem ausführlichen Artikel.

Neue Feiertage im 21. Jahrhundert

Auch im 21. Jahrhundert entstehen neue Feiertage. Berlin führte 2019 den Internationalen Frauentag am 8. März als gesetzlichen Feiertag ein - als erstes und bisher einziges deutsches Bundesland. Bremen folgte 2025 mit dem gleichen Feiertag.

Mecklenburg-Vorpommern erklärte 2023 den Internationalen Kindertag am 1. Juni zum Feiertag, ebenfalls als einziges Bundesland. Thüringen führte 2019 den Weltkindertag am 20. September als Feiertag ein. Diese Entwicklungen zeigen, dass sich das Feiertagssystem weiter entwickelt und gesellschaftliche Werte widerspiegelt.

Fazit: Feiertage als Spiegel der Gesellschaft

Die deutschen Feiertage erzählen die Geschichte unseres Landes - von den christlichen Wurzeln über die Arbeiterbewegung bis zur Wiedervereinigung. Sie verbinden uns mit unserer Vergangenheit und bieten Anlässe für Besinnung, Gemeinschaft und Erholung.

Im Alltag mögen wir Feiertage vor allem als willkommene freie Tage schätzen. Doch es lohnt sich, gelegentlich innezuhalten und die Geschichte und Bedeutung zu bedenken, die hinter diesen besonderen Tagen steht. Unser Kalender 2026 hilft Ihnen, alle Feiertage im Blick zu behalten und ihre Bedeutung zu würdigen.